04.05.2018

Ingo & Poldi

von Christian Ohlig

Die Fotografin Tanja Brandt ist seit einigen Monaten eine begeisterte Nutzerin des ColorEdge CG2730 und hat uns in dieser Referenz einen Einblick in ihren Bildbearbeitungs-Workflow gegeben. Hier im ColorEdge Blog wollen wir mal einen tieferen Blick in die außergewöhnliche Wohngemeinschaft aus Mensch, Belgischem Schäferhund und zahlreichen Eulen und einem Wüstenbussard werfen.

Auf auf den Hund gekommen – oder wie alles begann

Es klingt wie ein Drehbuch zu einem Disney-Film: Der verschlossene Belgische Schäferhund Ingo begegnet dem leicht größenwahnsinnigen, oft schlecht gelaunten Steinkauz Poldi (eigentlich Napoleon). Hier könnte die Geschichte eigentlich mit einem beherzten Happs schon vorbei sein. Doch stattdessen entwickelt sich zwischen Eule und Hund eine tiefe Freundschaft. So unwahrscheinlich das klingt - genauso ist es passiert. Nach und nach stoßen immer mehr Greifvögel zur außergewöhnlichen Wohngemeinschaft aus Hund, Vogel und Mensch.

Die Fotografin Tanja Brandt hat sich eine große und treue Fanbase in ganz Europa aufgebaut, ihr erstes Buch ist gerade in China erschienen und ihre Bilder begeistern Foto- und Tierverrückte auf der ganzen Welt. Grund genug für uns, euch die tierisch tolle WG einmal im Detail vorzustellen:

Tanja Brandt

Zusammengehalten wird der den außergewöhnlichen Rudel-Schwarm von der Fotografin Tanja Brandt. Ihr großer Traum war es schon immer, Hyänen, Wölfe oder Greifvögel zu halten. Realisierbar war nur letzteres und so machte Brandt, die mit ihrem damaligen Mann zusammen eine Spedition betrieb und LWKs fuhr, 2013 den Jagd- und Falknerschein und erfüllte sich ihren Lebenstraum. Tierverrückt war sie schon immer und Belgische Schäferhunde (Malinois) sind IHRE Hunderasse.

Ingo – vierbeiniges Ehrenmitglied eines Greifvogelschwarms

Der einzige Mitbewohner Brandts ohne Flügel ist Ingo. Der inzwischen fünfjährige Malinois-Rüde war der Kleinste und Unscheinbarste im Wurf und sah eher wie ein Straßenhund aus: Mit krummen Füßen und faltiger Stirn hat sich der eher verschlossene Belgische Schäferhund-Welpe dennoch schnell in Brandts Herz geschlichen, war er doch der Sozialste im ganzen Wurf.

ColorEdge Blog: der Hund Ingo
ColorEdge Blog: der Hund Ingo

Poldi – ziemlich kauzig

Auch Poldi (eigentlich Napoleon), Brandts erste Eule, hatte keinen Traumstart: Als letztes von sieben Küken im Gelege war das Steinkauzküken immer der Schwächste im Nest. Das hat seinem Ego allerdings keinen Abbruch getan, ist aber möglicherweise der Grund für seine latent schlechte Laune.

Als Poldi mit 6 Monaten zu Tanja Brandt kam, hatte der Züchter erhebliche Zweifel, ob Poldi jemals handzahm werden würde. Poldi war von Anfang an immer bei allem dabei – sei es beim Autofahren, Einkaufen oder Spazierengehen. Nach und nach wurde Poldi immer zutraulicher und es entwickelte sich eine innige Beziehung zwischen dem Kauz und Schäferhund Ingo. Heute sind die beiden unzertrennlich und bestens trainierte Fotoobjekte.

Zwar lässt sich der eigensinnige Poldi gerne mehrfach bitten, bequemt sich dann aber doch dazu, sich angemessen in Szene zu setzen und ist so einer der Stars bei Brandts Fotoworkshops. Inzwischen hat Poldi mit Finchen auch eine gefiederte Partnerin. Etwas größer als die sehr kleinen Steinkäuze ist Weißgesichtseule Gandalf. Als gutmütiger Typ ist er der ruhende Pol der Falknerei und Brandts einziger Vogel, der wegen seiner afrikanischen Herkunft mit Ingo zusammen im warmen Haus überwintern darf.

ColorEdge Blog Tanja Brandt: Eule Poldi
ColorEdge Blog Tanja Brandt: Eule Poldi

Schneeeule Uschi – nicht die hellste Eule am Baum

Anders als Gandalf, ist Schneeeule Uschi natürlich bestens auf winterliche Temperaturen eingerichtet. „Eulen sind jetzt generell nicht die schlauesten Vögel“, sagt Brandt lachend, „aber Uschi ist wirklich besonders dumm.“ Oft vergisst sie beim Losfliegen loszulassen und landet auf dem Schnabel. Oder sie fällt in den Wassernapf, um Brandt beim Betreten der Voliere stürmisch zu begrüßen. „Das kann ja jedem mal passieren, aber Uschi lernt wirklich gar nichts daraus“, resümiert Brandt.

ColorEdge Blog: der Schneeule Uschi
ColorEdge Blog: der Schneeule Uschi

Phönix – das Superhirn

Das komplette Gegenteil ist Phoenix, einzige Nicht-Eule unter Brandts Greifvögeln. Das Wüstenbussard-Weibchen ist sehr klug, lernt sehr schnell, ist geduldig und Brandts heimlicher Liebling. Brandt genießt es sehr, mit Hund und ihren Vögeln durch die Natur zu streifen. Ihre Nikon-Fotoausrüstung ist immer mit dabei.

Oft liegt sie im Wald auf dem Bauch, immer auf der Suche nach der richtigen Perspektive, und fotografiert das Treiben ihrer tierischen Freunde. Bussard Phoenix hat dabei die Angewohnheit, auf Brandts Rücken zu landen, was auch schon einmal einen Feuerwehreinsatz nach sich zog. „Wenn ich fotografiere, bin ich in meiner eigenen Welt. Da bekomme ich um mich herum nicht viel mit“, erklärt Brandt. So lag sie eines Tages auch wieder auf dem Boden und fotografierte, während Phoenix auf ihrem Rücken saß. Plötzlich Rufe von hinten: „Bewegen Sie sich nicht, Rettung ist unterwegs! Die Feuerwehr kommt gleich!“ Verwundert dreht sie sich um. Hinter ihr standen Spaziergänger, die glaubten, der Bussard hätte Brand  angegriffen und schwer verletzt. Der Irrtum konnte natürlich schnell aufgeklärt werden und so wurde aus dem vermeintlichen Rettungseinsatz ein Selfieshooting der herbeigerufenen Feuerwehrleute.

Auch wenn die meisten gemeinsamen Ausflüge nicht so spektakulär enden, zieht Tanja Brandt natürlich oft verwunderte, ungläubige oder begeisterte Blicke auf sich, wenn sie mit Poldi oder Gandalf auf der Schulter einkaufen geht oder im Café sitzt. Oft merken die Passanten erst spät, dass die Eulen, mit denen sich die wunderliche Frau unterhält, tatsächlich echt und lebendig sind. „Viele halten mich bestimmt für bekloppt“, resümiert die Falknerin, aber damit könne sie gut leben, sagt sie lachend.

Klaus Bärbel und Leonard Hofstädter

Klaus Bärbel, das größte Mitglied in Brandts Vogelschaar, beeindruckt schon durch seine schiere Größe. Der zwei Kilo schwere Sibirische Uhu sollte eigentlich ein Weib sein, entpuppte sich aber später als Terzel, was den kuriosen Namen erklärt. Wie Raufußkauz Leonard Hofstädter zu seinem Namen gekommen ist, wird Fans der Fernsehserie “Big Bang Theory“ zumindest sofort einleuchten. So viele Vögel brauchen auch viel Aufmerksamkeit und Zeit und so hat Tanja Brandt 2013 beschlossen, sich Vollzeit der Fotografie und ihren Vögeln zu widmen und zog sich aus der Spedition zurück.

ColorEdge Blog: Uhu Klaus Bärbel und Kauz Leonard Hofstädter
ColorEdge Blog: Uhu Klaus Bärbel und Kauz Leonard Hofstädter

Inszenierung und Dokumentation, die direkt ins Herz geht

Selbstverständlich fotografiert Brandt auch wildlebende Tiere in freier Wildbahn. In vielen Fällen sind Hund Ingo und mindestens einer ihrer Greifvögel dabei. Im Mittelpunkt der meisten Fotos stehen aber ihre eigenen Tiere und deren Beziehung zueinander. Brandt gelingt es, die echte, artübergreifende Beziehung fotografisch festzuhalten. So entstehen Fotos von größter Harmonie, die einen direkt ins Herz treffen.

Die Bilder der vielfach preisgekrönten Fotografin sind teilweise inszeniert und teilweise einfach aus der Situation heraus entstanden. „Ich kann mir zwar im Vorfeld viel überlegen, suche und plane bestimmte Locations und nehme Requisiten mit. Aber was hinterher tatsächlich rauskommt, entscheiden in erster Linie die Vögel“, erklärt die Naturfotografin. Schäferhund Ingo ist ein absoluter Profi als Fotomodel. Bestens erzogen und geduldig macht er alles mit, was sich sein Frauchen so ausdenkt. Greifvögel hingegen tun nur, was ihnen gerade in den Kram passt. Doch mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelingen Brandt fantastische Tierbilder, die mittlerweile auch international viele Menschen begeistern. Viele Fotofreunde möchten auch selbst Bilder von Ingo, Poldi, Gandalf und Co. machen, weshalb Brandt vor allem in der warmen Jahreshälfte zahlreiche Workshops und Coachings anbietet.

ColorEdge Blog: Tierfotografin Tanja Brandt am EIZO Monitor

Buch „Wo die Liebe hinfliegt”

Ihr erstes Buch „Wo die Liebe hinfliegt“, das die Geschichte von Ingo und seinen gefiederten Freunden erzählt, geht mittlerweile in die 6. Auflage und erscheint im Februar 2018 sogar in China. Ihr zweites Buch „Ich lass dich nie im Regen stehen“, ein Kinderbuch, ist kürzlich erschienen und nach einem Sommer voller Workshops nimmt sich die gelernte Bürokauffrau jetzt den Winter über die Zeit, an gleich drei weiteren Büchern zu arbeiten. In 2018 wird eine Fortsetzung von „Wo die Liebe hinfliegt“ sowie ein Buch über Falknerei und außerdem ein Buch zum Thema Tierfotografie mit dem Schwerpunkt Eulen und Greifvögel erscheinen.