Die Auswirkungen von Farbmanagement, manchmal auch Farbverwaltung genannt, fallen uns eigentlich immer erst dann auf, wenn es schiefgeht: Wenn ein Ausdruck nicht die Farben zeigt, die ich am Bildschirm gesehen habe. Wenn ich zwei Drucke vom gleichen Foto nebeneinanderlege und die Farben der beiden unterschiedlich sind. Wenn mein Notebook andere Farben zeigt als mein normaler Computer. Wenn ich einen zweiten Bildschirm an meinen Rechner anschließe und die beiden unterschiedliche Farben anzeigen. 

Für all diese Umwandlungen der Farben von einem Gerät zum anderen ist Farbmanagement zuständig. 

Unser Computer betreibt auch dann Farbmanagement, wenn wir uns nicht darum kümmern. Selbst wenn nur eine Bilddatei auf dem Bildschirm angezeigt wird, wird vom Betriebssystem entschieden, welche Farbtöne für die Farbwerte aus der Datei verwendet werden. 

Farbräume, Farbprofile, Farbmodelle

Um Farbmanagement zu verstehen, braucht man ein wenig Grundwissen über Farbräume, Farbprofile und Farbmodelle. Diese sind weder geheimnisvoll noch kompliziert, um sie zu erklären habe ich mir im Folgenden einen fiktiven Farbraum ausgedacht, der anschaulich erklärt, was ein Farbraum eigentlich ist:

Ein ausgedachtes Beispiel: Der Bleistift-Farbraum

Abstrakt betrachtet, ist ein Farbraum etwas ganz Einfaches: Er sagt aus, welche Farben abgebildet werden können. Zur Erklärung habe ich mir ein paar Beispiele als Vergleich ausgedacht, die zwar praktisch nicht existieren, die aber die Zusammenhänge erklären. Als erstes ein Beispiel für einen sehr einfachen Farbraum:

Welche Farben kann man mit einem Bleistift auf weißem Papier malen? Im Folgenden ein paar Beispiele mit unterschiedlicher Deckkraft:

Deckkraft Bleistift
Bleistift unterschiedlich stark aufgedrückt

Kräftig aufgedrückt, malt ein Bleistift dunkelgrau. Wenn man nur leicht aufdrückt, kann man damit ein helleres Grau zeichnen, und wo man das Papier nicht bemalt, bleibt es weiß. Je nachdem, wie stark man aufdrückt, kann man mit einem Bleistift unterschiedliche Grautöne abbilden.

Diese möglichen Grautöne sind der Farbraum eines Bleistifts (auf weißem Papier). Da es sich bei dem Bleistift um ein anfassbares Gerät handelt, nennt man das allerdings nicht Farbraum, sondern Farbprofil oder einfach nur Profil. Das Profil des Bleistifts umfasst den Farbraum, den er darstellen kann. 

Das Buntstift-Farbprofil

Nun gibt es unterschiedliche Bleistifte, unterschiedliche Härtegrade, anderes Material für die Minen. Jeder dieser Bleistifte malt ein wenig anders. Nehme ich beispielsweise einen schwarzen Buntstift und male damit diese vier Kästchen aus, sieht das Ergebnis anders aus:

Deckkraft schwarzer Buntstift
Schwarzer Buntstift unterschiedlich stark aufgedrückt

Während der erste Bleistift eher grau malte, zeichnet dieser Stift schon fast schwarz. Andere Stifte würden Schwarz wieder anders wiedergeben, denken Sie nur mal an einen Lackstift. So hat jeder Stift seinen eigenen Farbraum, sein eigenes Farbprofil.

Farbraum oder Farbprofil?

Ich habe bisher vom Farbraum gesprochen, doch wenn es sich um Dinge handelt, die man anfassen kann, spricht man eigentlich von einem Farbprofil. Manchmal nennt man es sogar ausführlich „geräteabhängiges Farbprofil“ oder „geräteabhängiges Ausgabeprofil“. So ein Profil umfasst einen Farbraum, den dieses Gerät ausgeben kann. In vielen Texten springen die Schreiber fröhlich zwischen Farbraum und Farbprofil hin und her, wovon Sie Sich nicht verwirren lassen sollten. Wie gesagt, bei einem Gerät spricht man üblicherweise von einem Farbprofil, bei geräteunabhängigen Themen wie sRGB von einem Farbraum.

Graustufen im Druck

Mein Laserdrucker druckt wieder andere Graustufen. Vergleiche ich das gedruckte Schwarz meines Laserdruckers mit den dunkelsten Farben dieser beiden Stifte, entspricht das Grau des Bleistifts gerade mal 60 % der Druckerschwärze, während der schwarze Buntstift immerhin fast auf 90 % vom Schwarz des Druckers kommt:

Maximale Schwärzung
Maximale Schwärzung der Stifte im Vergleich zum Laserdrucker

Genau wie Bleistift und schwarzer Buntstift druckt mein Laserdrucker verschiedene Abstufungen von Grau bis Schwarz und hat somit auch wieder einen anderen Farbraum und damit ein anderes Farbprofil als die Stifte.

Würde ich jetzt zu Ihnen sagen „Malen Sie mir mal einen Kasten mit 75 % Grau aus“, so müssten Sie fragen: „Moment mal, wir hatten jetzt drei verschiedene Versionen von 75 % Grau, welche soll es denn werden – die vom Bleistift, die vom schwarzen Buntstift oder die vom Laserdrucker?“

Malwerkzeuge
Bei jedem Malwerkzeug sieht 75% Schwarz anders aus

Dies ist eine sehr gute Frage! Denn diese Frage ist die Basis des Farbmanagements: Von welchem Farbprofil bzw. Farbraum sprechen wir? Dies ist sehr wichtig zu wissen, sonst können wir nicht zwischen dem Rot von Dachziegeln oder dem einer Rose unterscheiden.

Jeder entwirft seinen eigenen Farbraum

Was für Grau gilt, gilt auch für jede andere Farbe. Bitten Sie zehn Kinder darum, Ihnen ein rotes Auto zu malen, und Sie werden zehn Autos in unterschiedlichen Rottönen bekommen. Geben Sie zehn Ingenieuren den Auftrag, einen Farbbildschirm zu bauen, und die zehn Bildschirme werden unterschiedliches Rot anzeigen.

Und damit stecken wir mitten in dem Problem, dass die Computerindustrie vor gut zwei Jahrzehnten hatte: Jeder Hersteller hatte seine eigene Definition der Farben, seine eigenen Farbräume. Jedes Mal, wenn eine Datei von einem Arbeitsplatz zu einem anderen gegeben wurde, musste man überlegen: „Für welchen Rechner ist die Datei? Wie bekomme ich sie auf meinem Rechner korrekt angezeigt?“. Seinerzeit setzte sich eine internationale Arbeitsgruppe für Farben (International Color Consortium, kurz ICC) zusammen und entwickelte die Möglichkeit, den Farbraum der Geräte als Farbprofil festzulegen, diese Farbprofile als Datei zu speichern und mit den Bildern mitgeben zu können. Diese Dateien nennt man ICC-Profile, und sie werden auch heute noch weiterentwickelt und verwendet. Moderne Bilddateien wie JPG können diese Profile direkt in der Bilddatei hinterlegen, so dass keine gesonderte Datei für das Profil benötigt wird. Diese Farbprofile (die wie gesagt Farbräume beschreiben) sind die Grundlage des Farbmanagements.

Die zwei Erkenntnisse im Farbmanagement

Beim Farbmanagement gibt es zwei grundlegende Dinge, die man immer im Hinterkopf haben sollte:

Jedes Gerät hat sein eigenes Farbprofil

Jede Kamera, jeder Scanner, jeder Bildschirm, jeder Drucker, jeder Beamer und was es sonst noch an Ein- und Ausgabegeräten gibt, jedes dieser Geräte hat seinen eigenen Farbraum und damit sein eigenes Profil. Auch wenn Sie diesem Gerät kein Profil zuweisen, hat es ab Werk ein Profil mitbekommen, mit dem es arbeitet, bzw. Ihre Programme verwenden ein Profil. Wenn Sie selbst das Profil nicht bewusst aussuchen, kann das gut oder schlecht sein, aber irgendein Profil wird immer verwendet, denn irgendwie müssen die Daten ja angezeigt werden.

Jede Bilddatei hat einen Farbraum

Genauso hat jede Bilddatei einen Farbraum. Manche Dateien bringen ausdrücklich ein Profil mit, meist ist es sRGB. Wenn man Digitalkameras auf AdobeRGB umstellt markieren diese das Profil, indem sie dem Dateinamen der JPG-Datei einen Unterstrich voranstellen. Bei RAW-Dateien sucht die Software das Profil aufgrund des Kameranamens aus, Screenshots sind im Farbraum, der für den Bildschirm eingestellt ist. Selbst die Bilddateien, die kein Profil enthalten, entstammen dennoch einem bestimmten Farbraum. Das ist wie mit Schokolade aus dem Supermarkt: Auch wenn Sie nicht wissen, wo die Schokolade herkommt, hat sie ja dennoch eine Herkunft. Sie wissen nur nicht welche.

Wenn eine Bilddatei mit einem Programm geöffnet wird, dann wird sie mit einem Farbraum interpretiert. Wenn das Programm gut ist, liest es die Profilinformationen aus der Datei und beachtet diese, wenn nicht, interpretiert das Betriebssystem sie mit seinem Standardprofil für die Anzeige (meist sRGB bzw. das Bildschirmprofil). Diesen Farbraum nennt man den Arbeitsfarbraum, weil das Programm mit diesem Farbraum arbeitet. Bei Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop können Sie einen beliebigen Farbraum als Arbeitsfarbraum verwenden.

Überall dort, wo Sie kein Profil bzw. keinen Farbraum aussuchen, tut es jemand anderes für Sie. Meistens wird dies etwas sein, was so ähnlich ist wie sRGB. Ich schreibe „so ähnlich wie sRGB“, weil jeder Hersteller unterschiedlich viel Aufwand treibt, um sRGB zu treffen. Eizo beispielsweise misst seine Profibildschirme im Werk ein und liefert sie sauber kalibriert aus. Günstige Hersteller begnügen sich hingegen gern damit, das die Farben so einigermaßen stimmen.

sRGB – Ein Farbraum für alle

Die Lösung, dass jede Datei ihr eigenes Farbprofil mitbekommen kann, ist schon gar nicht schlecht. Damit kann jede Software nachsehen und sagen „Ah, okay, diese Datei gehört mit dem Buntstift-Farbraum gezeichnet“. In der Praxis hat es sich bei der Einführung der ICC-Profile aber als umständlich erwiesen, wenn jede Datei ihr eigenes ganz persönliches Farbprofil hat („Hey, was für ein Profil ist denn bitte Herlitz Fine-Marker T1??“). Zusätzlich unterstützte zu der Zeit der Einführung der ICC-Profile kein Bildbearbeitungsprogramm diese Profile. Daher haben HP und Microsoft 1996 vorgeschlagen, einen Farbraum festzulegen, der immer dann benutzt werden soll, wenn nicht ausdrücklich ein anderer angegeben wurde. Dies war die Geburtsstunde von sRGB (kann man sich mit dem „s“ schön als „Standard RGB“ merken, auch wenn nie ausdrücklich festgelegt wurde, wofür das „s“ in sRGB steht). Inzwischen gibt es viele weitere „Standard“-Farbräume, die am meisten verbreiteten neben sRGB sind Adobe RGB und ProPhoto RGB. 

Von der Akzeptanz her war und ist sRGB ein voller Erfolg: Seit seiner Einführung hat es sich auf breiter Front durchgesetzt. Jede Digitalkamera, jeder Scanner liefert Bilder standardmäßig in sRGB. Fast jeder Bildschirm und jede Software erwarten ab Werk die Daten erstmal in sRGB. Selbst normale Arbeitsplatzdrucker erwarten ihre Druckdaten in sRGB, obwohl die Drucktechnik ein anderes Farbmodell verlangt.

Farbmodelle sind ein weiterer Begriff, den man beim Farbmanagement verstehen sollte – die erkläre ich im nächsten Blogbeitrag dieser Serie.

Über Sam Jost

Schon als Kind liebte Sam Jost Kameras und hatte Spaß daran, Haustiere in Szene zu setzen und aus den Fotos kleine Bilderbücher zu basteln. Sobald er sein eigenes Geld verdiente kaufte er sich eine einfache Spiegelreflexkamera, fotografierte auf Partys, Festivals, Theaterstücke, alles was ihm vor die Linse kam. Die Fotos entwickelte er selbst. Als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen, wollte er so schnell wie möglich seine Fotos am Rechner bearbeiten können, weg von der Fotochemie. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis Digitalkameras erschwinglich wurden, 2000 kaufte er dann sein erste Kompaktkamera, doch so richtig professionell fing er erst an zu fotografieren, als er sich 2004 seine erste DSLR zulegen konnte. Seitdem fotografiert er nebenberuflich, schreibt Bücher und bietet Workshops an, soweit es seine Zeit zulässt.